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Garmisch-Partenkirchen 1936

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IV. Olympische Winterspiele

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„Die Kehrseite der Medaille"

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„The Flipside of the medal“

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Erinnern

Das Erinnern nicht vergessen

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“.
(Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin)

Zwischen dem 6. und 16. Februar 1936 richtete Garmisch-Partenkirchen die IV. Olympischen Winterspiele aus. Dabei wurde die Strahlkraft des Wintersportes durch die Nationalsozialisten für ihre Ziele missbraucht. Eine nahezu perfekte Organisation, Wettkampfgestaltung und aufwendig neugebaute Sportstätten vermittelten der Welt das Bild eines vermeintlich friedlichen Deutschlands. Hinter dieser sportlichen Fassade führte das NS-Regime konsequent die Unterdrückung der politischen Gegner sowie der jüdischen Bevölkerung fort und rüstete in großen Schritten auf.

Eine Aufarbeitung der Geschichte dieser Winterspiele fand sehr spät – erst im Rahmen der FIS Alpinen Ski WM 2011 in der Ausstellung und dem Katalog „Die Kehrseite der Medaille“ statt. Die Dauerausstellung wird zur Zeit überarbeitet, jedoch ist hier ein virtueller Rundgang möglich. Die detailreiche Dokumentation „Kehrseite der Medaille“ ist im Online Shop von GaPa-Tourismus und in den örtlichen Buchhandlungen erhältlich.

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Bewerbung

Vorbereitung und Vergabe der IV. Olympischen Winterspiele

1931 vergab das IOC die Olympischen Sommerspiele an Berlin, weshalb das Deutsche Reich den Austragungsort für die Olympischen Winterspiele selbst bestimmen konnte. Wegen der sportlichen, organisatorischen und klimatischen Vorzüge setzten sich die Orte Garmisch und Partenkirchen gegen andere Wintersportzentren wie Oberhof durch.

Dies blieb nicht ohne Folgen für die beiden selbstständigen Ortschaften. Am 1. Januar 1935 erfolgte die Zusammenlegung zum Markt Garmisch-Partenkirchen. Die Widerstände der Marktgemeinderäte aus Garmisch verstummten erst, als ihnen Innenminister Adolf Wagner mit der Einweisung ins KZ-Dachau drohte. Mehr dazu finden Sie hier.

„Jugend der Welt“ II – offizieller Film, IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936, hergestellt im Auftrag der Reichspropagandaleitung der NSDAP, aus dem Bundesarchiv Berlin

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Bau

Sportstätten

756 Teilnehmer aus 28 Nationen traten in 17 Wettbewerben gegeneinander an. Der Spezialsprunglauf (= Skispringen) am Schlusstag und die anschließende Schlusszeremonie mit der Medaillenverleihung im Olympia-Skistadion zog ca. 130.000 Zuschauer an – ein Rekordwert.

Zusätzlich zum neugebauten Olympia-Skistadion mit der Großen Olympiaschanze errichteten die Nationalsozialisten das Olympia-Kunsteisstadion in Rekordzeit. Die bereits bestehende Bobbahn am Rießersee wurde aufwendig umgestaltet. Die Ausgaben für die Sportstätten beliefen sich auf 1.257.700 Reichsmark.

Olympia-Skistadion (deutsch)

Am Gudiberg befand sich seit 1900 der wichtigste Wintersportplatz in Partenkirchen. Dort gab es bereits eine Rodelbahn, ein Eislaufareal und eine Sprungschanze, gebaut für die Deutschen Skimeisterschaften 1914. Sie wurde bereits für die „Deutschen Kampfspiele 1922“ ausgebaut, die nach dem Ausschluss Deutschlands von den Olympischen Spielen 1920 und 1924 als Ersatz abgehalten wurden.

Nachdem die Standortwahl auf das Gelände unterhalb des Gudibergs fiel, begannen im Herbst 1933 die Arbeiten. Im Winter 1934 endeten die Bauarbeiten der Großen Schanze, parallel bauten die Verantwortlichen die alte „Olympia-Schanze“ aus. Die Tribünen, Erdwälle und das Sporthaus entstanden ohne Maschinen nach dem Entwurf des Partenkirchner Gemeindebaumeisters Arnulf Albinger. Die Baukosten für das gesamte Areal betrugen 426.100 Reichsmark.


Olympic Ski Stadium (english)

Since 1900 the Gudiberg was the most important site for winter sports in Partenkirchen. Besides a sled run and an ice skating venue existed a jump built especially for the German Ski Championships in 1914. This jump was enlarged for the “Deutsche Kampfspiele 1922”, an event organized as compensation after Germany´s exclusion of the Olympic Games in 1920 and 1924. After the area below Gudiberg was chosen, construction works started in autumn 1933. In winter 1934, the construction works at the Big Jump ended; at the same time the “Old Olympic Jump” was upgraded by the organizers. The grandstands, the earth walls and the sports house were developed following the plan of Partenkirchen’s master builder Arnulf Albinger without the help of machines. Building costs for the whole area added up to 426,100 Reichsmark.

Olympia-Bobbahn (deutsch)

Die bereits seit 1909 bestehende Bobbahn oberhalb des Rießersees gestaltete der Berliner Architekt Stanislaus Zentzytzki vollständig um. Zentzytzki hatte schon für die Winterspiele 1932 die Anlage in Lake Placid entworfen.

Das spektakuläre Herzstück der Bobbahn war die sogenannte Bayernkurve, die mehrere olympische Athleten stürzen ließ.

Die weiteren Gebäude entlang der Bobbahn, wie das Start- und Zielhaus, waren aus Holz. Für die Wasser- und Stromversorgung installierte der Austragungsort eine Wasserleitung mit Hydranten und Stromleitungen. Die Baukosten summierten sich auf 238.000 Reichsmark.


Olympic bobsled track (english)

The bob run above the Rießersee, already existing since 1909, was completely re-arranged by the Berlin architect Stanislas Zentzytzki. He had also created the run for the Winter Games 1932 in Lake Placid. The spectacular centerpiece of the bob run was the so called “Bayernkurve” turn, causing to overturn several Olympic athletes.

All other buildings along the track like the start- and finish house were wood constructions. For water and electric power supply the host town installed a water pipeline with hydrants and lines for power supply. The total of building cost added up to 238,000 Reichsmark.

Olympia-Eisstadion (deutsch)

Als Standort des Eisstadions bestimmte das NS-Regime das vom Architekten Hanns Ostler vorgeschlagene Areal am Bahnhof. Die zentrale Lage und die unmittelbare Nähe zum Bahnhof und zur Post begünstigten diese Entscheidung.

Die 30 x 60 Meter große Kunsteisfläche umschloss eine teils überdachte Tribüne für 8.250 Zuschauer. Im Inneren der Haupttribüne fanden Umkleiden, Büros und ein Restaurant Platz. Der markante Turm beherbergte schalldichte Rundfunkkabinen.

Es mussten 22 Kilometer Rohre verlegt werden, um die Kühlung der Eisfläche mittels des Ammoniak-Verfahrens zu ermöglichen, trotzdem war das Olympia-Eisstadion nach 106 Tagen ohne Einsatz von Maschinen betriebsbereit. Die neue Sportstätte kostete 550.000 Reichsmark.


Olympic Ice Stadium (english)

The NS regime decided the area around the station to be the location for the Olympic Ice Rink., following the proposal of architect Hanns Ostler.  The decision was favored because of the central position and direct proximity to the station and the post office. The artificial ice rink with a measurement of 30 x 60 meters was surrounded by partly sheltered grandstands for 8,250 visitors. Inside of the main grandstand were placed locker and medical supply rooms, offices and a restaurant. A striking tower hosted sound booths. 22 km of pipes had to be laid to enable cooling the ice by the ammonia method. Still the Olympic Ice Stadium was ready after only 106 days without the use of machines. The new venue cost 550,000 Reichsmark.

Eissport auf dem Rießersee (deutsch)

Den Rießersee, vorgesehen für Eisschnelllaufwettbewerbe, Eisschießen und einzelne Eishockeyspiele, bauten die Organisatoren zu einem Eissportplatz aus. Eine Tribüne für 2000 Zuschauer, schalldichte Kabinen für die Rundfunksprecher und ein Kampfrichtergebäude am Ziel formten den Rießersee zu einer Sportstätte. Besonders kurios war ein Turm auf Schlittenkufen, der Filmaufnahmen aus nächster Nähe ermöglichte.


Ice sports on the Rießersee (english)

The Rießersee was developed by the organizers to become an ice sports venue for speed skating, some ice hockey games and icestocksport. A grandstand for 2,000 visitors, sound booths for broadcasters and a building for the referees at the finish line were installed. A curiosity was the tower on skids to enable close-up shootings.

Slalom (deutsch)

Die Suche nach einer Slalomstrecke gestaltete sich sehr schwierig. Zur Auswahl standen der Nordhang des Hausbergs, ein neuer Hang am mittleren Kochelberg oder der Gudiberg, direkt neben der Großen Olympiaschanze.

Am Vortag der Eröffnung der Spiele lag nur eine dünne Schneedecke am Gudiberg, weshalb die Organisatoren zur Strecke am mittleren Kochelberg tendierten. Erst der am Eröffnungstag einsetzende Schneefall ermöglichte die Damen- und Herren-Rennen am Gudiberg.


Slalom (english)

The search for a slalom course was difficult. Up for discussion were the northern slope of the Hausberg, a new slope at the middle Kochelberg and the Gudiberg, located directly next to the big Olympic Jump. The day before the opening, the Gudiberg was only covered with a thin layer of snow, which is why the organizers tended to the slope at the Kochelberg. Snowfall starting the opening day allowed eventually to hold the ladies’ and men’s races at the Gudiberg.

Abfahrt (deutsch)

Um die neuen olympischen Disziplinen, wie den Abfahrtswettbewerb, zu ermöglichen, waren weitere Baumaßnahmen am Kreuzeck notwendig. Für die Krembs- und Neunerstrecke sprengten die Organisatoren Felsen, fällten Bäume und überbrückten Wildbäche. Am Ende bestimmten die FIS und die örtlichen Verantwortlichen die Neunerstrecke, die heutige Olympia-Abfahrt, zur alleinigen Abfahrtsstrecke. Die Prüfung der mechanisch-elektrisch funktionierenden Stoppuhr ergab, dass Start- und Ankunftszeit der Abfahrtsläufer auf Fünftelsekunden genau gemessen werden konnte.


Departure (english)

To enable the new Olympic disciplines like the downhill competition further building measures became necessary at Kreuzeck. For the “Krembs” and the “Neuner” course the organizers blasted dangerously disturbing rocks, cut trees and bridged torrents. Finally the FIS and the organizers decided that the Neuner course, todays Olympia Abfahrt, would be the only downhill course. The testing of the mechanical-electric clock proofed that start and arrival times of the athletes could be measured most precisely to 1/5 second.

1936

Eröffnung

Am 6. Februar 1936 um 11 Uhr eröffnete Reichskanzler Adolf Hitler die IV. Olympischen Winterspiele im Olympia-Skistadion vor ca. 20.000 Zuschauern. Nach dem Einmarsch der Athleten betonte Karl Ritter von Halt in seiner Begrüßungsrede ausdrücklich die Friedensbotschaft der Winterspiele.

28 Nationen kämpften in acht Sportarten um Medaillen. Die beiden Vorführungswettbewerbe, das Eisschießen und der Militär-Ski-Patrouillenlauf, ergänzten das offizielle Programm. Insgesamt sahen ca. 619.000 Zuschauer verteilt auf 10 Wettkampftage die IV. Olympischen Winterspiele.

Sport: Zahlen und Fakten

Von eigenen Tribünen an den Sportstätten berichteten 403 Journalisten aus 29 Ländern aus Garmisch-Partenkirchen. Eine Neuheit war unter anderem die Liveberichterstattung des Rundfunks. Die Gesamtsendezeit in das In- und Ausland belief sich auf 301 Stunden.

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  Disziplin                                    Gold                                  Silber                                  Bronze
  Athlet  Nation  Athlet  Nation  Athlet  Nation
  Bob  Zweierbob  Ivan Brown  USA  Fritz Feierabend  Schweiz  Gilbert Colgate  USA
  Alan Washbond  Joseph Beerli  Richard Lawrence
  Viererbob  Pierre Musy  Schweiz  Reto Capadrutt  Schweiz  Frederick McEvoy  Vereinigtes Königreich
  Arnold Gartmann  Hans Aichele  James Cardon
  Charles Bouvier  Fritz Feierabend  Guy Dugdale
  Joseph Beerli  Hans Bütikofer  Charles Green
  Eishockey  Alexander Archer  Vereinigtes Königreich  Maxwell Deacon  Kanada  John Garrison  USA
  James Borland  Hugh Farquharson  August Kammer
  Edgar Brenchley  James Haggarty  Philip LaBatte
  James Chappell  Walter Kitchen  John Lax
  John Coward  Raymond Milton  Thomas Moon
  Gordon Dailley  Dinty Moore  Eldridge Ross
  Gerry  Davey  Herman Murray  Paul Rowe
  Carl Erhardt  Arthur Nash  Francis Shaughnessy
  Jimmy Foster  Kenneth Farmer  Gordon Smith
  Jack Kilpatrick  David Neville  Francis Spain
  Archibald Stinchcombe  Ralph Saint – Germain  Frank Stubbs
  Robert Wyman  Alexander Sinclair 
   William Thomson 
  Eiskunstlauf  Damen  Sonja Henie  Norwegen  Cecilia Colledge  Vereinigtes  Königreich  Vivi-Anne Hultén  Schweden
  Herren  Karl Schäfer  Österreich  Ernst Baier  Deutsches Reich  Felix Kaspar  Österreich
  Paarlauf  Maxi Herber  Deutsches Reich  Ilse Pausin  Österreich  Emília Rotter  Ungarn
  Ernst  Baier  Erik Pausin  László Szollás
  Eisschnelllauf  500 m  Ivar Ballangrud  Norwegen  Georg Krog  Norwegen  Leonard Freisinger  USA
  1.500 m  Charles Matheisen  Norwegen  Ivar Ballangrud  Norwegen  Birger Wasenius  Finnland
  5.000 m  Ivar Ballangrud  Norwegen  Birger Wasenius  Finnalnd  Antero Ojala  Finnland
  10.000 m  Ivar Ballangrud  Norwegen  Birger Wasenius  Finnland  Max Stiepl  Österreich
  Ski Alpin  Kombination Herren  Franz Pfnür  Deutsches Reich  Gustav Lantschner  Deutsches Reich  Emil Allais  Frankreich
  Kombination Damen  Christl Cranz  Deutsches Reich  Käthe Grasegger  Deutsches Reich  Laila Schou Nilsen  Norwegen
  Skilanglauf  18 km  Erik Larsson  Schweden  Oddbjørn Hagen  Norwegen  Pekka Niemi  Finnland
  50 km  Erik Larsson  Schweden  Axel Wikström  Schweden  Nils-Joel England  Schweden
  4 x 10 km Staffel  Kalle Jalkanen  Finnland  Sverre Brodahl  Norwegen  John Berger  Schweden
  Klaes Karppinen  Oddbjørn Hagen  Arthur Häggblad
  Matti Lähde  Olaf Hoffsbakken  Erik Larsson
  Sulo Nurmela  Bjarne Iversen  Martin Matsbo
  Spezialsprunglauf  Briger Ruud  Norwegen  Sven Selånger  Schweden  Reidar Andersen  Norwegen
  Nordische Kombination  Oddbjørn Hagen  Norwegen  Olaf Hoffsbakken  Norwegen  Sverre Brodahl  Norwegen

 

 

 

Demonstrationswettbewerbe 1936

Bei den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen gab es neben den olympischen Wettbewerben noch zwei sogenannte Demonstrationswettbewerbe. Diese wurden durchgeführt, da die Disziplinen Eisstockschießen und Militärpatrouille nicht olympisch sind.

Beim Eisstockschießen handelt es sich um die deutsche Abwandlung vom Curling. International durchsetzen konnte sich die Sportart nicht aber sie kann heute noch im Olympia-Eissportzentrum in Garmisch-Partenkirchen von jedem interessierten ausprobiert werden.

Ganz anders als die Militärpatrouille. Diese gilt als Vorläufer des heutigen Biathlons. Jede Patrouille bestand aus einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Mann. Die Patrouillen mussten eine 25 km lange Strecke mit Rucksack und Gewehr überwinden und dabei eine Übung im Scharfschießen auf drei 150 Meter entfernte Ballons absolvieren. Dabei starteten alle Mitglieder des Patrouillen-Quartetts gemeinsam und durften mit einem maximalen Abstand von 30 Sekunden das Ziel überqueren.

  Disziplin                            Platz 1                              Platz 2                          Platz 3
AthletNationAthletNationAthletNation
  EisstockschießenEinzel – WeitschießenGeorg
Edenhauser
ÖsterreichFriedrich
Mosshammer
ÖsterreichLudwig
Retzer
Österreich
Einzel – ZielschießenIgnaz
Reiterer
ÖsterreichAugust
Brunner
Deutsches
Reich
Karl
Wolfinger
Tschecho-
slowakei
MannschaftWilhelm
Silbermayr
ÖsterreichGeorg
Redel
Deutsches
Reich
Josef Hödl-
Schlehofer
Österreich
Anton
Ritzl
Ferdinand
Erb
Johann
Mrakitsch
Otto
Ritzl
Johann
Eibach
Rudolf
Wagner
Wilhelm
Pichler
Josef
Lenz
Friedrich
Schieg
Rudolf
Rainer
Alois
Dirnberger
Hubert
Lögler
MilitärpatrouilleEnrico
Silvestri
ItalienEino
Kuvaja
FinnlandGunnar
Wåhlberg
Schweden
Luigi
Perenni
Olavi
Remes
Seth
Olofsson
Stefano
Sertorelli
Kalle
Arantola
Ragnar
Wiksten
Sisto
Scilligo
Olli
Huttunen
Johan
Westberg

Medaillenspiegel der IV. Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen

  Platz  Land  Gold  Silber  Bronze  Gesamt
  1  Norwegen  7  5  3  15
  2  Deutsches Reich  3  3  –  6
  3  Schweden  2  2  3  7
  4  Finnland  1  2  3  6
  5  Schweiz  1  2  –  3
  6  Österreich  1  1  2  4
  7  Vereinigtes Königreich  1  1  1  3
  8  USA  1  –  3  4
  9  Kanada  –  1  –  1
  10  Frankreich  –  –  1  1
  11  Ungarn  –  –  1  1
 
  Total  17  17  17  51
 

Medaillenspiegel der Vorführungswettbewerbe 1936

  Platz  Land  Gold  Silber  Bronze  Gesamt
  1  Österreich  3  1  1  5
  2  Italien  1  –  –  1
  3  Deutsches Reich  –  2  1  3
  4  Finnland  –  1  –  1
  5  Schweden  –  –  1  1
  6  Tschechoslowakei  –  –  1  1
 
  Total  4  4  4  12

Politik

Der olympische Gedanke

Bis 1933 galt die olympische Idee unter den Nationalsozialisten als „jüdisch-pazifistisches“ Teufelszeug, das auf eine „Verweichlichung“ und Schwächung des deutschen Volkes abzielte. Der Sport diente den Nationalsozialisten vor allem dazu, den militärisch nutzbaren „Angriffsgeist“ und die Kampfbereitschaft auszubilden.

Nach der „Machtergreifung“ erkannten Adolf Hitler und Joseph Goebbels die Möglichkeit die Olympischen Spiele zu instrumentalisieren, um die Aufrüstung zu tarnen und das geschönte Bild eines neuen friedlichen Deutschlands zu entwerfen.

Daran sollten auch die Bewohner Garmisch-Partenkirchens mitwirken. Sie sollten die Besucher von der deutschen Friedensliebe überzeugen und den Eindruck einer barbarischen Diktatur korrigieren.

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Antisemitismus

„Juden unerwünscht“

Jüdische Kurgäste waren im Werdenfelser Land schon vor 1933 Ziel massiver nationalsozialistischer Angriffe. Nach dem 30. Januar 1933 setzte sich der offen zur Schau gestellte Antisemitismus ungehemmt fort. In Garmisch und in Partenkirchen zeugen davon Gemeinderatsbeschlüsse und eine Flut antijüdischer Schilder und Tafeln, vor allem im Olympiavorbereitungsjahr 1935.

Drohungen, die olympischen Spiele wegen anhaltender Stigmatisierung der deutschen Juden in ein anderes Land zu verlegen, schwebten über den Köpfen der Verantwortlichen. In dieser Lage, in der die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen gefährdet schienen, griffen schließlich hohe NS-Funktionäre persönlich ein. Im Januar 1936 wurden entsprechende Anordnungen, Weisungen und Befehle erlassen, die schändlichen Schilder verschwanden für die Dauer der Wettkämpfe.

Medien

Propaganda

Die Winterspiele galten als Probelauf für die aus Hitlers Sicht ungleich wichtigeren Sommerspiele in Berlin. Es ging in erster Linie um Propaganda und Machtdemonstration vor Ort. Den Propagandaerfolg begünstigten die zumeist positiven Berichte der internationalen Presse erheblich.

Im Gedächtnis vieler Menschen blieb besonders der Olympiafilm des Reichspropagandaministeriums haften.

Werbung

Das offizielle Plakat für die Olympischen Winterspiele entwarf der Münchner Künstler Ludwig Hohlwein. Es zeigt einen Skiläufer, der die olympischen Ringe auf der Brust und in der linken Hand ein Paar Ski trägt. Viel Raum für Spekulationen hinterließ der ausgestreckte rechte Arm. Sportliche Geste oder „deutscher Gruß“?

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Das offizielle Werbeplakat (deutsch)

Was hält er in der Hand?

Da die Geste von offizieller Seite nie erklärt wurde, begann mit der Veröffentlichung des Plakats 1934 ein Rätselraten über den Sinn und Zweck der ausgestreckten rechten Hand.

Die schwedische Zeitung Morgontidningen in Göteborg befragte seine Leser und hatte für die besten und unterhaltsamsten Antworten Preise ausgesetzt.

Der Fantasie der Leserinnen und Leser waren keine Grenzen gesetzt. Ein paar Beispiele:

  • ein Vergleich mit der Freiheitsstatue in den USA
  • in der Hand hält der Skiläufer einen Kaugummi oder eine herzhafte Mahlzeit
  • der Skiläufer versucht die aktuelle Ausgabe der Morgontidingen zu verkaufen

The official advertising poster (english)

What is he holding in his hand?

Since the gesture was never explained by the official side, speculation about meaning and purpose of the outstretched right hand started with the publication of the official poster in 1934.

The Swedish newspaper “Morgontidningen“ at Gothenburg asked their readers offering prizes for the best and funny answers.

To the imagination of the readers were set no boundaries. Some examples:

  • a comparison to the statue of liberty in the USA
  • in his hand holds the skier a chewing gum or a hearty meal
  • the skier tries to sell the actual issue of the Morgontidningen

Folgend sehen Sie die Vorschläge der schwedischen Leser:

Boykott

Boykottgedanken (Nicht alle ließen sich täuschen)

Es gelang der Propaganda des NS-Regimes nicht, alle mit dem schönen Schein der Winterspiele zu täuschen. Das Pariser Tagblatt veröffentlichte am Tag vor der Eröffnungsfeier unter der Schlagzeile „Trägheit der Hirne“ einen kritischen Kommentar, der noch einmal die unüberbrückbare Kluft zwischen der olympischen Bewegung und der NS-Ideologie hervorhob.

Einige Athleten beteiligten sich an der Boykottbewegung. Der jüdische Bobfahrer Philippe de Rothschild sendete mit seiner Absage ein klares Zeichen gegen die Diskriminierung der jüdischen Sportler.

Der Schriftsteller Albrecht Haushofer deutete die Winterspiele nachträglich als unheilverkündende Warnung vor dem bevorstehenden Krieg. Die Nationalsozialisten ermordeten Haushofer 1945.

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1940

Die letzten Olympischen Spiele

Da sich Japan ab 1937 mit China im Krieg befand, musste das japanische Sapporo die V. Olympischen Winterspiele 1940 wieder an das IOC abgeben. Nachdem Oslo und St. Moritz mit ihren Bewerbungen scheiterten, bot sich dem Dritten Reich die Chance, die Winterspiele erneut in Garmisch-Partenkirchen abzuhalten.

Das IOC sah weder die Nürnberger Rassegesetze, noch die Reichprogromnacht oder die bereits errichteten KZs in Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen und Mauthausen als ein Hindernis für die Vergabe der Olympischen Winterspiele nach Garmisch-Partenkirchen.

Erst der Überfall der Nationalsozialisten auf Polen 1939 und der Beginn des Zweiten Weltkrieges zwang das IOC die V. Olympischen Winterspiele vollständig abzusagen.

Olympische Winterspiele 1940 (deutsch)

„Die Spiele des Jahres 1940 müssen die Spiele des Jahres 1936 übertreffen.“

So formulierte Adolf Hitler das Ziel, was auch für die geplanten olympischen Bauten galt:

  • Hanns Ostler plante ein Eisstadion mit mehreren eigenständigen Arenen und Platz für 21.000 Zuschauer
  • Arthur Holzheimer sah für das Skistadion eine Neugestaltung aller Tribünen und eine Erweiterung des Olympiahauses vor
  • An der Bobbahn und den Skipisten waren umfangreiche Verbesserungen geplant
  • Adolf Hitler wünschte sich ein großes Hallenbad mit Saunabereich und stellte dafür 500.000 Reichsmark aus seiner Privatkasse zur Verfügung
  • die Planungen sahen außerdem den Bau einer Durchgangsstraße in Partenkirchen vor

Das Gemeindebauamt veranschlagte für alle Baukosten 7,9 Millionen Reichsmark.

Nach Beginn des Überfalls auf Polen am 1. September 1939 kamen die Bauarbeiten langsam zum Erliegen. Am 19. Oktober befahl Berlin schließlich die Arbeiten weitestgehend stillzulegen.


Olympic Winter Games 1940 (english)

“The games of 1940 must outperform the games of 1936.”

This is how Adolf Hitler set the goal, also applying for the planed Olympic buildings:

  • Hanns Ostler planed an ice rink with separate arenas, hosting 21,000 seats for spectators.
  • Arthur Holzheimer planned for the ski stadium a redesign of all grandstands and an extension of the Olympia Haus.
  • At the bobsled run and the ski slopes substantial improvements were planned.
  • Adolf Hitler wished for the construction of a big indoor swimming pool including a sauna, and provided 500,000 Reichsmark out of his privy purse.
  • In addition, the construction of a through road at Partenkirchen was projected

The building authority of the community estimated all construction costs at 7.9 million Reichsmark. After the assault of Poland on 1 September 1939, construction works slowly seized up. On 19 October 1939, Berlin finally ordered to stop the works.

Verzeichnis

Abkürzungen

FIS = Fédération Internationale de Ski (Internationaler Skiverband)
WM = Weltmeisterschaft
BMI = Bundesministerium des Inneren und für Heimat
DSV = Deutscher Skiverband
IOC = International Olympic Committee (Internationales Olympisches Komitee)
KZ = Konzentrationslager
NSDAP = Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
deutsches OK = Nationales Olympisches Komitee
NS = Nationalsozialismus

Literatur:
2016, Josef Ostler, Peter Schwarz, Alois Schwarzmüller, Franz Wörndle, Die Kehrseite der Medaille. IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936. Dokumentation zur Dauerausstellung in Garmisch-Partenkirchen. Den Link zum Onlineshop von GaPa-Tourismus finden Sie hier.

Internetseiten Hörfunk:
www.gapgeschichte.de
www.historisches-lexikon-bayerns.de

Hörfunk:
Bayerischer Rundfunk

Fotos:
Marktarchiv Markt Garmisch-Partenkirchen

Filme:
„Jugend der Welt“ offizieller Film, IV. Olympische Winterspiele, Garmisch-Partenkirchen 1936, hergestellt im Auftrag der Reichspropagandaleitung der NSDAP, 32 min, Bundesarchiv Berlin
CNN – Filmdokumentation zu den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen aus dem Jahr 2019, 3 min

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